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Ein umstrittenes Thema in der Pferdewelt: die Entwurmung! Die Meinungen gehen hier sehr auseinander aber im Endeffekt möchte jeder nur das Beste für sein Pferd. Die Frage ist nur, was ist das Beste? Auf Dauer verwurmte Pferde werden ernsthaft krank. Sie bauen ab, bekommen Koliken, Infektionen und können letztendlich auch daran eingehen. Zu häufig entwurmte Pferde haben allerdings eine enorme Belastung von Leber, Niere und anderen Organen und häufig kommt es zu Resistenzen. Was also tun? Selektiv oder strategisch entwurmen? Und warum macht es ein Unterschied, ob es sich um Jungpferde oder adulte Pferde handelt?

Selektive und strategische Entwurmung

Unter strategischer Entwurmung versteht man die regelmäßige, im bestimmten Zeitabstand erfolgende Entwurmung des gesamten Bestandes mit verschiedenen bzw. abwechselnden Entwurmungsmitteln. Meist erfolgt dies vier Mal im Jahr aber immer nach einem festen Behandlugnsplan. Den sollte man mit dem Tierarzt erarbeiten. Dabei gilt zu beachten:

  • Antiparasitika nicht unterdosieren (dazu muss man das Gewicht des Pferdes möglichst genau kennen. Achtung: bei Norikern reicht eine normale Dosis meist nicht aus!)
  • Nicht zu häufig entwurmen (es kann zu Resistenzen kommen)
  • Präparate regelmäßig wechseln (in Absprache mit dem Tierarzt)

Die Selektive Entwurmung findet nur statt, wenn eine gewisse Menge Wurmeier in einer Kotprobe aufgefunden werden. Es werden also nur Pferde entwurmt werden, deren Wurmbelastung über 200 EpG (= Wurmeier pro Gramm Kot) liegt. Gering verwurmte Tiere bleiben als „gesundes Parasitenreservoir“ im Bestand erhalten, damit sich weniger Resistenzen bilden können. Allerdings können beispielsweise keine Bandwürmer in Kotproben nachgewiesen werden. Weiterhin bedeutet, eine offensichtlich negative Kotprobe nicht, dass das Pferd keinen Wurmbefall hat. Deshalb sollte dennoch zwei Mal im Jahr vor allem gegen Bandwürmer entwurmt werden.

Welches die richtige Art der Entwurmung ist, hängt von den Haltungsbedingungen ab. Pferde in Gruppen haben einen höheren Infektionsdruck als Pferde in Einzelhaltung. Während der Weidesaison ist ebenfalls der Infektionsdruck höher, vor allem wenn die Weidefläche begrenzt ist. Die Frage lässt sich also nicht pauschal beantworten sondern ist individuell und bestandsabhängig. Bei Jungpferden ist eine selektive Entwurmung allerdings NICHT zu empfehlen, da sie hier an ihre Grenzen gerät.

Jungpferde: was ist anders?

Pferde bis zu einem Alter von 5 Jahren sollten regelmäßig strategisch entwurmt werden, da diese eine höhere Empfänglichkeit für Magen-Darmparasiten aufweisen als adulte Pferde. Vor allem in den ersten drei Lebensjahren, haben viele Pferde mit Wurmbefall zu kämpfen. Die selektive Entwurmung ab einem EpG>200 wäre bei Jungpferden unter 5 Jahren daher kontraproduktiv und kann zu nachhaltigen Schäden führen! Gerade junge Hengste, die in der Gruppe stehen, haben dazu noch einen erheblichen Infektionsdruck, da sie durch ihren Kot markieren und diesen gegenseitig untersuchen.

Für Jungpferde ist neben der strategischen Entwurmung der nachhaltige Aufbau des Immunsystems und der Darmflora sowie das Vermeiden von Mangelerscheinungen (Zink. Selen usw.) unabdingbar. Ein gesundes Immunsystem und eine gesunde Darmflora helfen dem Pferd, besser mit Parasiten klarzukommen und auch die Wurmkuren besser zu verkraften. Dazu braucht das Pferd ausreichend gutes Raufutter in Form von Heu, auf das Raufutter und das Pferd abgestimmtes Mineralfutter und je nach Jahreszeit unterstützende Kräuter.

Wer mit einem Jungpferd also in einem Stall steht, in dem nur selektiv entwurmt wird, sollte hier aufhorchen und ggfs. das Gespräch suchen bzw. selbst für die Entwurmung des Pferdes sorgen. 

Mögliche Parasiten bzw. Würmer im Kot

Welche Arten von Würmern bzw. Parasiten kommen bei Pferden überhaupt vor und welche Wurmkuren helfen gegen welche Würmer? Wir haben hier eine kurze Übersicht. Ausführlich und vollständig findet Ihr sie auch in diesem interessanten Artikel zum Thema.

Große Strongyliden:

  • Lebensdauer außerhalb Pferd: 2 Monate
  • Winterfest
  • Lebensdauer im Pferd: 1-2 Jahre
  • Wirkstoff: Ivermectin, Moxidectin, Pyrantel, Benzimidazole

Kleine Strongyliden:

  • Lebensdauer außerhalb Pferd: 12 Monate
  • Winterfest
  • Lebensdauer im Pferd: 1-3 Monate
  • Wirkstoff: Ivermectin, Moxidectin, Pyrantel
  • Dies sind die häufigsten Gründe für Verwurmungssymptomen trotz Entwurmung! Wirklich nachhaltig hilft hier nur EQUEST Pramox. Allerdings sollte das nicht bei Pferden unter 12 Monaten angewandt werden.

Spulwurm:

  • Lebensdauer außerhalb Pferd: 2- 3 Monate
  • überlebt im Winter nicht
  • Lebensdauer im Pferd: 1-3 Jahre
  • Wirkstoff: Ivermectin, Moxidectin, Pyrantel

Bandwürmer:

  • Lebensdauer außerhalb Pferd: 24 Monate
  • winterfest
  • Lebensdauer im Pferd: 2-5 Jahre
  • Nicht im Kot nachweisbar
  • Wirkstoff: Praziquantel

Magendassel:

  • Lebensdauer außerhalb Pferd: 2-6 Monate
  • winterfest
  • Lebensdauer im Pferd: 8-12 Monate
  • Nicht im Kot nachweisbar
  • Wirkstoff: Ivermectin, Moxidectin

Dies sind noch nicht alle Parasiten, die möglich sind. Unter oben angegebenen Link findet Ihr die komplette Liste. Über ein Blutbild kann ein zu niedriger Hämatokrit- und Hämoglobinwert in Verbindung mit erhöhten Leukozyten auf eine Verwurmung hindeuten. Allerdings kann dies natürlich auch andere Ursachen haben.

Verwurmung vorbeugen

Der Wurmbefall kann bei Pferden nicht vermieden werden. Während Wildpferde damit ohne Behandlung gut klar kommen, brauchen in Ställen bzw. begrenzten Gebieten gehaltene Pferde die Unterstützung des Menschen. Ob nun selektive oder strategische Entwurmung, das muss im Einzelfall und nach den Begebenheiten entschieden werden aber es kann keine pauschale Empfehlung abgegeben werden. Man sollte ein Gefühl und einen Blick dafür bekommen, wenn ein Pferd die ersten Anzeichen einer Verwurmung zeigt und dann auch schnell reagieren. Außerdem bitte den Tierarzt des Vertrauens zu Rate ziehen. Bei Jungpferden solltet Ihr NICHT selektiv entwurmen. Bitte achtet gerade in den ersten zwei Lebensjahren darauf, den Wurmbefall so gering wie möglich zu halten und unterstützt Immunsystem und Darmflora Eurer Pferde!

Grundsätzlich sind das die besten Vorbeugemaßnahmen, um den Wurmbefall so gering wie möglich zu halten:

  • Regelmäßiges Abmisten in und außerhalb des Stalls
  • Bei der Futtereinlagerung Verunreinigungen durch Mäuse, Ratten usw. verhindern
  • Wenn möglich Wechselweiden nutzen
  • Nicht vom Boden füttern
  • Neue Pferde entwurmen und erst drei Tage nach der Wurmkur eingliedern
  • Ruhephasen der Weiden (min. 4 Monate) wenn möglich
  • in den ersten 3 Tagen nach der Entwurmung besonders häufig abmisten
  • Darmflora unterstützen zb. mit Wurmkräutern

Wir wünschen Euch und Euren Pferden eine möglichst wurmfreie Zeit!