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Schlachtfohlen

Das Schlagwort „Schlachtfohlen“ ist eng mit der Rasse Noriker verbunden. Das Thema ist emotional und polarisierend, dennoch möchten wir uns ihm widmen. Denn es kommt immer wieder auf und deshalb haben wir uns entschieden, unsere persönliche Meinung dazu öffentlich zu machen. Diese muss natürlich nicht jeder teilen.

Pferd das Nutztier

Noriker gehören zu einer bedrohten Haustierrasse wie z.B. auch Wollschweine. Das bedeutet, dass es global gesehen nur wenige Tiere dieser Rasse gibt und hat sicherlich mit dem begrenzten Zuchtgebiet in Österreich zu tun. Dennoch werden jedes Jahr viele Noriker, vor allem Hengstfohlen, geschlachtet. Das gleiche passiert auch mit Haflingern, Freibergern aber auch Warmblütern und anderen Pferden. Denn Pferde gelten als Nutztiere, auch wenn der Gedanke für viele Pferdefreunde schrecklich ist. Warum werden die Tiere gegessen? Dazu muss man sich zunächst selbst überprüfen: esse ich Rind, Schwein oder Hühnchen? Warum tue ich das? Weil es mir schmeckt? Weil ich es nicht anders kenne? Genauso geht es den Menschen, bei denen der Verzehr von Pferdefleisch seit je her normal ist. Auf Grund des Geschlechts ist es bei fast allen Nutztieren so, dass männliche Vertreter nur in geringerer Zahl zur Zucht benötigt werden und der Rest dementsprechend geschlachtet wird. Das ist auch der Hauptgrund für die Schlachtung von Norikerfohlen. Es werden im Vergleich mit anderen Rasse gar nicht so viele Noriker gezüchtet. Allerdings ist die Nachfrage für den Reitsport eher gering im Gegensatz zur Zucht. So werden Noriker eben Fohlen zum Nutzvieh und geschlachtet.

EU-Subventionen

Es werden immer wieder Stimmen laut, die die Überproduktion von Fohlen den Subventionen seitens der EU zuschreiben. Diese subventioniert das Vermehren von bedrohten Rassen. Sinnfrei ist es natürlich, wenn diese dann getötet werden. Allerdings deckt diese Subvention nicht mal die Kosten für einen Decksprung, geschweige denn die weitere Versorgung der Stute und des Fohlens. Diese Zahlung mag zwar nicht wirklich zielführend sein, aber sicherlich nicht der Grund, warum Menschen Noriker vermehren. Vielmehr gehört dies in Österreich auch ein Stück weit zur Kultur, Noriker und dessen Nachwuchs im Stall zu haben.

„Schlachtfohlenmärkte“

In Österreich aber auch in Bayern und anderen Orten finden meist im Herbst Pferdeversteigerungen statt, die allgemein mittlerweile Schlachtfohlenmärkte genannt werden. Der Begriff ist aber irreführend und impliziert für Außenstehende in der Tat, dass auf diesen Märkten ausschließlich Tiere für die Schlachtung versteigert werden. Das ist aber eigentlich gar nicht Sinn und Zweck des Marktes. Vielmehr ist er für Züchter gedacht oder auch für Menschen, die sich eben ein Pferd kaufen möchten. Auf Grund der oben genannten überschaubaren Nachfrage und der Nutztiersituation ist es in der Tat so, dass viele Pferde vom Schlachthändler aufgekauft werden. Das passiert allerdings tagtäglich mit anderen Nutztieren, für die es eine weit geringere Lobby gibt. Zu verurteilen ist, dass teilweise zu junge Fohlen verkauft werden. 

Retten?

Auch für uns, die wir die Noriker Pferde wirklich lieben und die Vorzüge dieser Rasse schätzen, ist der Gedanke schwer zu ertragen, dass viele korrekte und wunderbare Pferde zum Tode verurteilt sind. Aber was dagegen tun? Retten um jeden Preis? Ja und nein. Wir möchten ebenfalls erreichen, dass weniger Noriker beim Schlachter landen, sondern bei Menschen, die sich ebenfalls wie wir an dieser Pferderasse als Partner erfreuen. Wir sind allerdings der Meinung, dass man das nicht erreicht, in dem man planlos Rettungsaktionen startet und die Masche mit der emotionalen Drohnung „sonst Schlachter“ weiter unterstützt.
Viele unseriöse Verkäufer haben bereits entdeckt, dass man mit diesem Druckmittel, bessere Preise erzielen kann. Seriöse Züchter sind sich bewusst, welchen Wert das Tier hat und drohen nicht mit Schlachtung oder geben womöglich noch Ultimaten von wenigen Tagen.

Es ist völlig ok, einen Betrag über dem gängigen Schlachtpreis für ein Noriker-Fohlen zu verlangen, allerdings darf man dann nicht mit Schlachtung argumentieren. Außerdem ist das Reduzieren des Norikers auf „Schlachtpferd“ nicht wirklich ein geeignetes Mittel um Marketing für diese Rasse zu betreiben und die Zucht zu unterstützen. Dazu kommen Menschen, die auf Grund des Mitleids in blinden Aktionismus verfallen und die Spirale der Schlacht-Drohungen weiter antreiben. Wir befinden uns also in einem echten Zwiespalt.

Tierschutzaktionen haben vielen tollen Fohlen das Leben gerettet und die Thematik die Noriker erst über die österreichischen Grenzen bekannter gemacht. Es gibt mittlerweile auch in Deutschland und Nachbarländern glückliche Norikerbesitzer, die automatisch mit ihren Pferden Werbung für die Rasse machen. Tolle Menschen, die sich auf eine für sie unbekannte Rasse und damit auch ein Abenteuer eingelassen haben, was sie meist nicht bereut haben. Das ist eine gute Grundlage, um die Nachfrage anzutreiben.

Allerdings begünstigt es auch, dass unseriöse Vermehrer das schnelle Geld wittern und Geschäft mit den Schlachtfohlen. Das ist wiederum eine Entwicklung, die für die Rasse als negativ zu betrachten ist. Noriker sind viel mehr als einfach nur Schlachtpferde.

Wir sind der Meinung: retten ja, aber mit Köpfchen. Verständnis für die Menschen vor Ort und deren Kultur in Bezug auf die Pferde ist dabei die Grundlage. Wenn erreicht werden kann, dass Züchter das Potenzial der Rasse für Sport und Freizeit jenseits der Märkte erkennen und bereit sind, hierfür zu züchten und gleichzeitig Vermehrer lernen, dass mit Drohungen nicht langfristig der große Reibach gemacht werden kann, haben wir am meisten Noriker gerettet.